Von Ossies und Aussies


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Aufgewaermtes

Hier gibts nochmal meine alten Massen emails zum Nachlesen. Wer mag. Ansonsten nur so fuer mich. Der Vollstaendigkeit halber. Alles Original, auch Rechtschreibfehler.
22.3.06 09:55


Wed, 23 Feb 2005 15:08:34

Hallo ihr lieben alle zu Hause oder zumindest in Europa!

Nun mal ein kurzer Bericht aus down under: (zunaechst- ich hoffe, ihr koennt alles lesen, bei meinen ersten mails gabs ein paar Beschwerden. Vielleicht hilft es, wenn ihr wisst, dass ich in Word schreibe und den Text dann rueber kopiere. Und natuerlich habe ich hier keine Umlaute und kein sz und ein paar vertauschte Zeichen auf der Tastatur. Ich gebe mir Muehe...)

Mehr als 3 Wochen sind nun schon vergangen, dass ich die Heimat verlassen habe und ich muss euch sagen, es ist prima hier und ich vermisse Deutschland gar nicht. Lediglich vielleicht meine Freunde (Familie mit eingeschlossen, Leute halt). Ich bin es ja doch gewohnt, immer viele Leute um mich herum zu haben. Der eine oder anderE von euch weiss, wie ich am Rad drehe, wenn mir langweilig ist.

Allerdings, langweilig ist mir hier nicht. Es gibt jede Menge zu tun.

Am Sonntag den 30. Januar bin ich also wagemutig in den Zug nach Frankfurt und dort dann in den Flieger gestiegen um am Dienstag morgen in Sydney zu landen. Dort habe ich in einer langen Prozedur ausgecheckt, habe mein Visum geholt, habe Blut und Wasser geschwitzt weil meine Tasche geoeffnet wurde und ich doch meinen Daunenschlafsack nicht einfuehren duerfte, bin der laenge nach hingefallen weil ich meine Schuhe nicht zugebunden habe (typisch, oder?) und wurde von Toni+Sandi abgeholt.

In der Wohnung gabs dann einen tollen Geburtstagskuchen (Mudcake, mein momentaner Lieblingskuchen, der ist hier wirklich ueberall spitze und wuerde wohl auch den Schokopuddingliebhabern gefallen) und Geschenke. Juchu! Ich hatte mal im Sommer Geburtstag! Vielen Dank fuer die tausenden emails!!! Tim, du bist entschuldigt, ich denke ja auch nicht immer an alle. Umsomehr hab ich mich heute ueber deine mail gefreut!

Dann waren natuerlich erstmal Oper und Harbourbridge dran. Und abends sind wir dann alle zum Strand gegangen – Schwimmversuche und BBQ. Toll so ein Geburtstag kann ich euch sagen!

Die naechsten 5 Tage sind dann auch wie im Flug vergangen. Ich hab mir viel in der Stadt angschaut, wir haben noch 2 weitere Geburtstage gefeiert, ich war am Strand, noch mehr BBQ, ich war 2 Tage krank – hatte mir im Flugzeug eine richtig fette Erkaeltung mit Fieber und Husten und allem drum und dran eingefangen... und schwupps die wupps war schon Montag abend und ich bin nach Hobart/ Tasmanien geflogen.

Mein Gepaeck hat leider den Weg nicht verstanden und ist statt nach Sueden in Richtung Norden nach Mackay/ Queensland geflogen. War dann aber auch nicht das Problem. Meine Chefin hat mich vom Flughafen abgeholt und kuemmert sich seitdem ruehrend um mich. So hat sie mich erstmal mit Schlafsack und Luftmatratze und Handtuechern versorgt. Die Kraxe kam dann am naechsten Mittag ins Buero geliefert.

Ja und nun bin ich hier und freue mich des Lebens. Bis Samstag bin ich noch in der kleinen Wohnung meiner Chefin, dann brauche ich was neues weil die neuen Mieter einziehen. Das gestaltet sich momentan etwas schwierig. Aktuell habe ich 2 Zimmer in aussicht, beide wollen sich bis zum Wochenende entscheiden. Fuer 2 ½ Monate nimmt einen niemand so leicht. Aber das habt ihr (zumindest viele von euch) ja schon vor einem Jahr von Toni gehoert. Die Alternativen waeren Hostel oder zusammen mit jemandem, den ich hier kennengelernt habe, eine Wohnung mieten. Wir werden sehen. Noch ist Polen nicht verloren. Natuerlich haette ich gerne mein eigenenes Zimmer, aber fuer eine Weile ist vielleicht das Hostel auch recht lustig.

Tja, und was habe ich hier schon erlebt ausser arbeiten? Ich war sehr viel spazieren bzw. mit meinem neuen Bike unterwegs. Koennt ihr euch mich auf einem Mountainbike vorstellen? Anne, du weisst, ich wollte immer das flachste von allen haben. Jedenfalls bin ich ja seit Januar dabei, alle meine Aengste ueber Bord zu werfen und fahre kein Damenrad mehr. Habe seit dem allerdings auch noch keinen Rock wieder getragen... und jeder kennt meine Fussballerwaden - das wird sich hier bestimmt verstaerken – es gibt naemlich keinerlei Ebenen, nur bergauf oder –ab. Really crazy! Der Linksverkehr ist kein Problem, es sind fast nur oneways in Hobart. Allerdings wird man in halsbrecherischer Weise von Trucks und Bussen ueberholt.

Letztens war ich mit meinen ganzen Unternehmungen mal wieder zu langsam und bin nicht davon ausgegangen, dass ich Licht brauchen wuerde. Dann wurde es allerdings dunkel und ich hab Jeremy gefragt, ob es teuer wird, wenn mich die Polizei ohne Licht anhaelt. Seine Antwort hat mich dann aber doch ueberrascht, es wuerde eher teuer ohne Helm. Hm, das hat mir keiner gesagt. Einen Helm will ich mir ja nun nicht noch zulegen. Aber ich sehe auch immer wieder Lleute ohne Helm. Die sollen doch erstmal Radwege erfinden, dann kaufe ich mir auch einen Helm!

Ich war also unterwegs, z.b. im Botanischen Garten – wirklich grossartig, bestens sortiert und beschildert, auf dem Mt. Stuart, beim Feuerwerk und bei vielen kleinen Sachen, die man nicht weiter aufzaehlen kann. Langweilig war mir wirklich nur einmal. Und da bin ich abends zum Hostel gegangen und schon war mir nicht mehr langweilig. So lernt man Leute kennen. J

Letzte woche kamen dann die Mitbewohnerin von Toni+Sandi und 2 ihrer Freundinnen nach Hobart und haben 2 Naechte bei mir geschlafen. Die 3 haben sich ein Auto gemietet und machen jetzt eine Inseltour. Da hab ich mir spontan Freitag freigenommen (toll, das das so geht, aber sie ist so daran interessiert, dass es mir gut geht und ich mit jungen Leuten zusammen bin, dass es foermlich ihr Vorschlag war) und bin 3 Tage mit den Maedels mitgefahren.

Ich war in meiner 1. Hoehle – wer erinnert sich, dass ich nicht mit zur Geo-exkursion bin und auch in der Schweiz Pfingsten draussen geblieben bin? Wie gesagt, ich wachse ueber mich hinaus. (ich war ja auch im Januar noch Skifahren – mit Lift und allem was dazu gehoert!) Es war jedenfalls alles andere als schlimm, selbst mit dem Wissen, dass da tellergrosse blinde Spinnen leben und „if you see me running – keep running“-Warnung unserer Fuehrerin. Stalagniten und Stalagtiten!

Gezeltet haben wir dann beim Tahune-Airwalk, den wir allerdings nicht gegangen sind und dann gings weiter zum Mt Field National Park. Am Sonntag bin ich dann mit dem Bus wieder zurueck nach Hobart gefahren. Das ganze war eine Reise durch Europa in 3 Tagen. Wir waren im Allgaeu, in der Toskana, in Irland, in Nordeuropa. Ihr koennt euch gar nicht vorstellen, wie schoen diese Tage waren!

Im Mt Field haben wir erst eine kleine 2 Studen-Wanderung ohne Gepaeck gemacht, dann sind wir noch eine halbe Stunde den Berg hochgefahren (und waren wieder in einer voellig anderen Landschaft) und dann hiess es Gepaeck aufschnallen und 2 ½ Stunden durch Moor und bush walken. Es fing dann an zu nieseln – aber ich habe mittlerweile grossartiges Equipment – oder zu nebeln und wir haben irgendwann eine kleine Huette erreicht. Dort gabs dann wieder Nudeln mit Seewasser gekocht und fuer mich eine schoene warme Nacht in meinem tollen schlafsack auf meiner Thermarest. Ihr seht, ich habe investiert und das ist auch gut so. Die Maedels haben naemlich gefroren. Aber sie sind ja auch nur 1 woche in Tasmanien unterwegs und brauchen vielleicht wirklich nicht solch eine Ausruestung fuers Outback und die Ostkueste. Family, damit ist meine gruene Isomatte zum abschuss freigegeben. Was auch immer ihr damit machen wollt – sie gehoert euch.

Am naechsten Morgen gings dann 3 Stunden bei schoenstem Sonnenschein groesstenteils oberhalb der Baumgrenze wieder zurueck zum Auto. Traumhaft kann ich euch sagen! Schade nur, dass wir die Zelte mitgeschleppt und nicht gebraucht haben bzw. nicht gebrauchen konnten. Wir hatten naemlich nach Wiese zum Zelten gefragt und auch eine positive Antwort bekommen, die Wiese aber wieder nicht vorgefunden. Die Nacht davor gabs statt dessen Schotterflaeche die unsere Heringe nicht mochte und diesmal Moor oder sehr feuchte Wiese der wir nicht getraut haben.

Wie dem auch sei, ich bin mit meinem vielleicht 7 oder 8 kg schwerem Rucksack sogar geklettert! Eike + Charles, die naechste Osterwanderung im Elbsandsteingebirge (natuerlich erst 2006) versuche ich mich an der Klettersteigen und wir laufen nicht wieder aussen rum.

Was gibts uebers Arbeiten zu erzaehlen? Ich habe mich nun schon ganz gut eingewoehnt. Wir arbeiten hier mit VectorWorks. Das war zunaechst mal wieder eine ganz schoene Umstellung. Ich habe ja damals im Praktikum in Berlin schon damit gearbeitet, da hats auch eine Woche gedauert bis ich schnell genug war um mit mir zufrieden zu sein. Bloss da konnte ich die Kollegen fragen, wie’s geht und dass kann ich hier nicht. Das Buero ist wirklich klein. Im Prinzip nur Patricia, die Chefin, die aber mit ihren fast 60 Jahren noch alles mit der Hand macht. Dann gibt es noch eine Koreanerin, die 2 Tage die Woche da ist – ich habe sie aber bis jetzt nur einmal gesehen weil sie grad Urlaub hat. Und einmal die Woche eine Frau fuer die Buecher. Das heisst, ich arbeite mit Woerter- und englischem Handbuch. Aber es wird!

Die Projekte sind alle relativ klein und die Organisation tricky. Die meisten Sachen laufen ueber Architekten, die nur jemanden fuers softe brauchen. Dementsprechend haben sie eigentlich schon ihre Vorstellungen und wir sollen den Quatsch dann schoen machen ohne was zu veraendern. Ich denke, es koennte etwas einfacher gehen, wenn wir mit den Auftraggebern direkt verhandeln koennten. So gibt es immer sehr lange Wege fuer Absprachen. Katja, hattest du nicht auch mal so ein bloedes Projekt, wo nur bestimmte Leute zu den Meetings durften? Antonia, vom Knast hab ich noch nichts gesehen. Trish hat mir aber schon vorgeschwaermt, dass du damals ein Geschenk des Himmels fuer sie warst weil du den ganzen Tag das Projekt mit VectorWorks bearbeitet hast.

Ansonsten kann ich mich nur schwer an „1“ als Strich schreiben und Punkt und Komma vertauschen gewoehnen. Aber das wird auch noch. Denken tue ich jedenfalls schon in englisch. Anke, ging dir das damals auch so in Somerset? Ich finde das wirklich lustig und manchmal sogar etwas schwierig. Ich spreche ja den ganzen Tag nur englisch und so kann ich mein Gehirn nur noch mit „Gewalt“ umschalten. Mir fehlen ja immer wieder Worte und ich koennte es ja so einfach haben, wenn ich das ganze in deutsch machen wuerde – hoert ja eh keiner zu. J als ich von dem Wochenende mit den Maedels zurueck kam, war ich wieder total auf deutsch getrimmt und habe abends dauernd deutsche Begriffe verwendet.

Soviel zu Australien.

Oder nein, noch nicht ganz. Wovon soll man sich hier bitte ernaehren? Ich esse frueh wie ein Scheunendrescher, aber schon eine Stunde vor Lunch knurrt mein Magen weil dieses duenne labberige Brot nicht anhaelt. Wie solls auch, ist ja kaum was drin an Ballaststoffen. Kaufe schon extra die Variante mit ein paar Koernern. Aber so ein richtiger Sauerteig waere wirklich gut. Insofern warte ich wirklich auf Seung Ah’s Rueckkehr aus Neuseeland. Sie hat mir von einer deutschen Baeckerei erzaehlt und mich gefragt, wieso um Himmels willen man eine deutsche Baeckerei braucht. Was koennte da schon anders sein. Nur leider finde ich sie nicht. Fast jeder hat schon mal davon gehoert, aber niemand war dort. Und in den gelben Seiten ist sie auch nicht.

Falls aber jemand ein tolles Rezept zum selber Backen hat – her damit. Nur bitte davon absehen, Fertigmischungen zu senden. Mehl darf man genausowenig einfuehren wie Daunenschlafsaecke oder Wurstwaren. Ich hab gestern auch schon versucht Kuchen zu backen, bin allerdings nicht so zufrieden mit dem Ergebnis. Ich hab ja keine Waage und keinen Mixer und es scheint mir als ob ich trotz dessen, dass ich genau das vermeiden wollte, salzige Margarine erwischt habe. Das naechste Mal dann also nur mit Butter, da steht wenigstens gross drauf wenn sie unsalted ist.

Schluss jetzt.

Oma + Opa, ihr hattet mir auf die Mailbox gesprochen, das ihr mir ne email geschickt habt. Die ist nicht angekommen. Probierts doch nochmal. Ihr koennt ja auch bei dieser mail hier von mir einfach auf „antworten“ klicken und meinen Text loeschen.

Anke, mir war das Geld von Frau Weigert schon wieder voellig entfallen. Aber was habe ich dir denn fuer ein Konto genannt? Es waere jedenfalls besser, es (wenn es denn dann irgendwann mal da ist, wir kennen ja unsere Hausverwaltung a.D.) zur deutschen Bank zu ueberweisen. Ich kann da naemlich kostenlos an der Westpack abheben und das hab ich auch schon fleissig getan. Habe erst gestern hier ein Konto eroeffnet und hoffe, das nun mit dem Aufbrauchen der Euro Schluss ist, aber man weiss ja nie. Die Kontonummer hab ich grad nicht dabei, wenn du sie nicht hast, mailst du mir nochmal kurz? Dann schicke ich sie dir auf die andere Seite.

Jan, Jana, Anne, Ronny, (Isabel), was macht denn all „unser“ Nachwuchs? Isa, wie waers mal mit nem kleinen Photo???

Apropos Photos: ich hab schon jede Menge Bilder geschossen, auch einige, wo ich speziell an einige von euch denken musste und die ich unbedingt verschicken will. Aber sie sind alle noch in der Camera. Ich muss die Tage mal fragen, ob ich vielleicht meine Software hier installieren darf. Was ich nicht wollte, ist geschehen. Das kleine Baby Ixus hat seine grosse Schwester EOS ganz schoen in den Schatten gestellt. Ich hab erst einen Film verschossen und als ich den dann gewechselt hab, hab ich natuerlich die Kamera angelassen und sie somit 3 Tage durch die Botanik getragen ohne dass ich ein Bild machen konnte. Hab mir gestern neue Batterien besorgt, aber noch nichts weiter photographiert. War aber auch noch keine Zeit wieder dazu. Nach der Arbeit hab ich erst ein Zimmer angeschaut und dann noch eine Wohnung. Und damit war’s dunkel....

Sven, ich hab irgendeine Einladung zu ner Ska-Party in Erfurt bekommen. Ich nehme an, ich bin ueber dich in den Verteiler gekommen. Du standest jedenfalls auch mit dabei. Viel Spass und vertret mich gut!

So, bei mir sind das jetzt hier 5 Seiten. Damit solls mal gut sein. Wer weiss, wer das ueberhaupt alles lesen will. Wenn jemand keine Lust hat, meinen Wasserfall zu bekommen, sagt mir einfach Bescheid und ich nehme euch aus dem Verteiler.

Ganz liebe Gruesse und fuer den einen oder anderen auch Kuesse – Eure Antje. (Wie befuerchtet, kann dass hier natuerlich keiner aussprechen, oder zumindest kaum einer, mancher gibt sich muehe. Aber „Ann“ konnte ich auch nicht durchsetzen, so ist es meistens sowas wie Angie)

p.s. die mail hab ich gestern schon geschrieben, schicke sie aber erst heute. so gibt es noch news: gestern abend hatte ich noch einen anruf von einer grossen wg die bis anfang mai jemanden suchen. sozusagen genau meine zeit. nur, dass sie eigentlich erst ab ende maerz was frei haben. das sind aber alles tour-guides so dass immer irgendwo ein zimmer frei sein wird. wollen sich beraten und mir am wochenende bescheid geben. vielleicht tut sich also was an der zimmerfront. a.
22.3.06 09:55


Thu, 14 Apr 2005 01:55:27

So, Ihr Lieben alle,

nun bekomme ich schon seit Tagen mails, ob ich zurueck bin von meiner Wanderung – ich bin zurueck – restlos begeistert und mittlerweile wieder erholt und vom Alltag eingeholt!

Wo hab ich eigentlich aufgehoert mit meiner letzten mail? Bei dem Maedels-Wochenende? Das ist ja schon ewig her. Was ist seit dem passiert? Jede Menge, wie ich denke. Bloss das jetzt wieder alles auf die Reihe zu bekommen. Der eine oder andere schreibt mir ja fleissig und weiss damit schon was ich getan habe.

Ich bin jede Menge rumgekommen hier. Zunaechst muss ich vielleicht sagen, dass ich ein Zimmer gefunden hab. (und in 2,5 Wochen schon wieder ausziehe L ) ich wohne mit 4 Tour-Guides von AdventureTours, einem Chiropraktiker und einer schottischen aber in Deutschland aufgewachsenen und somit deutsch sprechenden Touristin zusammen. Das heisst ich wohnte, eine meiner Tour-Guides ist bereits ausgezogen. Ich wahr eigentlich ihr Ersatz, bin aber schon einen Monat frueher eingezogen als sie gegangen ist. Alle die die alte Wohnung in der Thaelmannstr. in Erfurt kennen erinnern sich vielleicht an das Katzenzimmer – der Weg zum Balkon zur Hofseite raus. Sowas aehnliches gibt es in unserem Haus auch. Es ist etwa 2x so breit wie eine Matratze und 1,5 mal so lang und hat keine Tuer aber ein Bettlaken. Tatsaechlich hat es eine Tuer – die Balkontuer. J Das war also die Uebergangsloesung – fuer die Haelfte meiner Zeit hier – aber das war alle mal besser als Hostel. Ich war dann tatsaechlich nur 2 Naechte im Hostel und da hab ich nicht besonders gut und viel geschlafen. War allerdings auch ein wenig meine Schuld. Ich hab nicht wie Antonia nach einem Raum fuer arbeitende Bevoelkerung gefragt. Ich wusste ja, ich bin nur 2 Naechte dort und als ich dort mit einem Bekannten auftauchte hat man mich gefragt, ob ich ins gleiche Zimmer will. Well, fuer 2 Naechte sprach nicht wirklich was dagegen.

Und die Leute in „meinem“ Haus sind wirklich super. Dadurch dass die meisten Tour-Guides sind, sind sie meist gar nicht da. Das heisst, sie gehen immer fuer 6 Tage auf Tour und kommen dann fuer ein paar Tage heim. Je nach Person sind diese Tage dann faulenzen hier in Hobart oder aber private Wanderungen (also wieder nicht da). Am Ende einer jeden Tour geht man aber meist mit den Leuten zum Dinner und auf ein paar Bier, je nach Wochentag auch noch in einen Club oder so, oder man endet wie vorletztes Wochenende wieder mal mit einer Party bis in den fruehen Morgen in unserem Haus. Das geht aber nur, wenn am naechsten Morgen keiner auf Tour muss. Das ist naemlich Regel Nummer 1: vor einer Tour keine Party im Haus. Als Mitbewohner kommt man in den Genuss, dass alles mitmachen zu koennen, wenn man kann. Was natuerlich wiederum nicht geht weil sie meistens einen Tag nach dem anderen zurueckkommen. Was dann wiederum 4 Tage Party hintereinander waeren. Ihr seht, man hat so seine Probleme. Schliesslich muss man ja auch ab und an nochmal Geld verdienen oder selber wandern gehen.

Und das Geld verdienen ist so eine Sache. Es gibt glaub ich nicht nochmal einen Staat, der so viele Feiertage hat wie Tasmania. Also Eike, wenn die Geruechte stimmen und du wirklich zu all den giftigen Tierchen kommen willst – komm nach Tassi und du hast genug Zeit, sie alle kennen zu lernen.

Es bleibt also genug Zeit zum Wandern. Und wenn kein Feiertag ist, macht man halt eben frei. Halbe Tage sind auch ok. Da kann man z. B. Zu Cadburys fahren – der ansaessigen Schokoladenfabrik. Na, wie hoert sich das an? Oder man geniesst den sommerlich heissen Vormittag in Shorts und Hemdchen auf Balkonien bevor man ins eisigkalte Buero muss. Ich hab ja noch nie so ein dauerhaft kaltes Gebaeude gesehen. (hab ich mich darueber schonmal ausgelassen?) ich trage meistens meine Wanderschuhe und hab den Heizer unterm Tisch damit die Waerme nicht an die Decke steigt sondern bei mir bleibt. Ich hab des weiteren ein normales und ein langes Unterhemd (oder so was) unter meinem Pulli oder Bluse und dann ist da noch ein Wollpullover den man nach spaetestens 2 Stunden braucht. In der Mittagspause in den naechsten Park oder in die Stadt laufen hilft kurzfristig und heisse Getraenke.

Ich hab ja jetzt mal Kaffee eingefuehrt hier. Die Kirche meiner Chefin erlaubt weder Tee noch Kaffee, so gabs das nicht hier. Mir ist aber immer mal nach einem Schaelchen Heissem und auch Seung-Ah, meine koreanische Kollegin hat immer mal Lust drauf, aber nie welchen mitgebracht. Jetzt gibts nachmittags immer Kaffee. Wir haben eh immer ein wenig Party hier jeden Tag. Dauernd bringt einer von uns irgendwelchen Kuchen oder Reiscracker oder so was mit was die anderen dann natuerlich kosten und bewerten muessen. Und alle lachen und sagen, ich haette das eingefuehrt. Aber ihr wisst ja, dass ich gerne backe und wenn ichs nicht mit hierher bringe, ist die Gefahr gross, dass ich nach Hause komme und nichts ist mehr uebrig. J na, ganz so schlimm ists nicht.

Euch zu erzaehlen, welche Wanderungen ich hier gemacht habe, hat wahrscheinlich keinen Sinn. Aber vom Overlandtrack erzaehle ich euch. Das ist eine tolle Sache. Der Hauptweg ist ca. 80km mehr oder weniger durch die Berge. Man hat dann die Chance, diverse Sidetracks zu machen. Kuerzere zu irgendwelchen (ist nicht abwertend gemeint) Wasserfaellen oder so und lange zu Berggipfeln oder tollen Seen.

Bevor wir aber den Overlandtrack in Nord-Sued-Richtung gemacht haben (heisst das machen?, ich weiss es manchmal nicht mehr wie man Sachen in deutsch sagt), haben wir, meine Ex-Mitbewohnerin Lanni und ich, 3 Leute aus Adelaide vom Flughafen abgeholt und sind nach Devenport in den Norden der Insel gefahren. Dort war dann am Karsamstag die Party zum 30. Geburtstag unseres Mitbewohners. Auf der Farm seiner Eltern. (dabei faellt mir ein, letztes Jahr Karsamstag war der Polterabend von Marcus, es scheint also ich bin jetzt immer auf Partys an diesem Tag) Garreth hat den Track schon 3 mal gemacht und uns noch ein wenig mehr Angst eingejagt als alle Fuehrer die wir gelesen haben. Es heisst ja sowieso, dass hier unten alle 4 Jahreszeiten an einem Tag auftreten koennen und in den Bergen sowieso. Auf sein Geheiss hin haben wir jedenfalls die Wettervorhersage angerufen und uns sagen lassen, dass das Wetter heute und morgen schrecklich ist. Wir wollten eigenlich Ostemontag los und hatten 6 Tage eingeplant. Das ist gutes Mittelmass. Es gibt Leute, die machens in 3 Tagen, einer hats in etwas ueber 7 Stunden gemacht, es gibt aber auch andere die brauchen 7 bis 10. je nach dem, was man noch so alles sehen und erklettern will. Am 6. Tag abends musste Lanni aber die Faehre zum Mainland kriegen. Also sind wir kurzentschlossen schon einen Tag frueher los.

Und noch kurzentschlossener haben wir noch einen 6. Kompanion gefunden. Einen Suedafrikaner der auch auf der Party war und meinte, wenn er die Chance haette, wuerde er den Track auch machen. Und wir meinten dann, das ist deine Chance. Seine Frau und die Freundin mussten dann ihren Tassi-Urlaub alleine machen und Carel ist mit uns wandern gegangen. Kurzentschlossen scheint mal wieder sehr gut zu sein – er hatte das wenigste Gepaeck.

Wir haben dann also den ersten Tag damit zugebracht zum Start zu gelangen (6 Leute im Auto! Wen erinnert das an unseren Ungarn Urlaub mit 7 Leuten in der Polizeikontrolle?) und die ersten 2 Stunden zu wandern. Das war dann auch tatsaechlich das schlechteste Wetter, dass wir hatten. Am naechsten Tag haben die Maenner und ich den Craddle Mountain erklommen und dann gings gemeinsam weiter auf dem Track. Spaeter gabs dann noch den hoechsten Berg Tassis und einen tollen See. Das schoene ist, du kannst dir sicher sein, die leute, die hier unterwegs sind, sind wie du. Das heisst, was auch immer du an sidetracks machen willst, lass dein Gepaeck auf dem (daneben ist besser) Hauptweg liegen und komm 3 Stunden spaeter wieder zurueck.

Weiterhin super: jede Mahlzeit, ob es Porridge mit Wasser gekocht, 5Minuten Nudeln, Cracker und Thunfisch oder Tassensuppen ist, ist die beste ihrer Art, die du jemals hattest! Es war wie eine Phrase, aber immer sehr ernst gemeint „the best porridge i’ve ever had!“

Und man fuehlt sich einfach prima, wenn man stundenlang gelaufen ist und denkt, keinen Fuss mehr vor den anderen setzten zu koennen und am naechsten Morgen gehts von vorne los. Und eine Woche nach dem Track spuert man auch seine Knie nicht mehr.

Achso, ich bin wieder mal vom Weg abgekommen. Das Wetter. Unser Wetter war also prima. Nicht zu heiss und nicht zu kalt. Die anderen sind alle in Shorts und T-Shirt gelaufen. Ich wollte mir aber die Beine nicht zerkratzen und hatte meine wundervollen Wanderhosen an - nicht zu heiss und nicht zu kalt. Und weil ich ja immer noch den UV- und Hautkrebs-Horror habe hatte ich dann auch ein langes T-Shirt an. Wenn man sich nicht duschen kann ist Sonnencreme ueberall etwas laestig. So gabs die nur fuer Gesicht und Nacken. Perfekt war das Wetter vor allem wegen einer Sache: einer von uns ist den Track zunaechst in einem und die letzten beiden Tage dann in 2 Badelatschen und Zehensocken gegangen. Seine Fuesse waren so geschunden, dass er diese Variante vorzog. Ich kann dabei nur aufs Holz klopfen. Wie gut, dass ich meine Wanderschuhe schon im Dezember auf dem Weihnachtsmarkt eingeweiht habe! Ich hatte nicht eine Blase.

Immer wieder taucht die Frage nach den Tierchen auf, die ich schon gesehen habe. Ich konnte es nicht mehr abwarten und war in einem Wildlifepark. Da gabs so ziemlich alles zu sehen, inklusive Koalas, die es hier ja gar nicht wirklich gibt. In Freiheit hab ich dann aber 2 Spinnen gesehen, die pardou trampen wollten, eine konnten wir davon ueberzeugen, dass sie im Wald bleiben soll, die andere haben wir dann erst an einer Tankstelle entdeckt und waren dabei so entsetzt, dass sie es nicht ueberlebt hat. Sorry for that! Wallabies (kleine Kaenguruhs) gibt es hier 2 Arten – bis zum Unterschenkel hohe und etwa bis zum Oberschenkel. Anfangs bin ich fast verzweifelt weil ich nie welche gesehen habe, mittlerweile beachtet man sie schon gar nicht mehr. es gibt viel zu viele. Man sieht dauernd tote auf den Strassen und du kannst sie auch als Countermeal im Pub bestellen.

Auf dem Track hatten wir in der ersten Nacht in einer Huette geschlafen in der offensichtlich Quolls wohnten die uns dann regelmaessig besucht haben. Ich hab ein Wallabie von hinten gesehen, zig Lizzards und einige kleine Schlangen. Waehrend ich ja immer eine „echte“ Schlange sehen wollte, will ich das jetzt nicht mehr. meine Begegnung war dann eher erschreckend. Ich war wieder mal alleine unterwegs weil ich lieber auch mal wo anhalte und Photos mache oder halt einfach nur schaue statt durchzurennen. Und ploetzlich war da dieses Tier. Ich bin also zurueck gesprungen, hab meine Gedanken gesammelt und bin etwas auf dem Boden rumgehuepft um ihr zu sagen, ich bin noch hier und dann bin ich durchgerannt. Nicht mehr davon ueberzeugt, dass ich alleine laufen will und dass ich unbedingt eine Schlange sehen wollte. J

Ausserdem gibts ueberall Papageien und Kakadus. Ich hab auch einen ganzen Schwarm Papageien gesehen. War wohl ein Familien-

Treffen. Und Possums sieht man staendig und ueberall. Wenn man es nicht erwartet gibts einen Schlag und sie fallen einfach von den Baeumen. Wirklich! Die sind auch teilweise gar nicht scheu. Lanni musste mal mit einem um ihren Muellbeutel kaempfen. Ist eine lustige Vorstellung, jeder an einem Ende. Was ich immer noch nicht gesehen habe sind Platypus und Tasmanischer Teufel. Wobei ich beide wohl auch nicht zu sehen bekomme, wenn nicht hier.

Wir haben den Track dann jedenfalls schon Freitag Mittag beendet. Das heisst 5 Tage und die 2 Stunden vom ersten Tag. Uns alle trieb nur der Gedanke an ein kuehles Bier an diesem wirklich heissem Tag voran. Alle wollten Chips und ich natuerlich mal wieder Mudcake. Bier und Chips gabs, Mudcake leider nicht. Nichts destotrotz wars aber wie eine Party. Wir hatten kleine Lautsprecher und MP3 Player dabei und jeder konnte sich seine Lieder wuenschen und alle Leute haben uns gefragt, ob wir grad den Overlandtrack beendet haben. Yes!

Und Carel hat den letzten Tag abgekuerzt und ist mit der Faehre vom Nord- zum Suedende des Sees gefahren und hat uns erzaehlt, dass die Leute ueber den Typen mit den Flipflops gesprochen haben. Falls ihr also jemals hierher kommt und den Track macht, wir sind jetzt Geschichte. Wir sind auch die Gruppe, die mit einem Football unterwegs war! Was in den Bergen unheimlich praktisch ist.

Vom Visitorcenter sind wir dann jedenfalls alle 5km zum naechsten Ort, der tatsaechlich nur ein Pub ist, getrampt und dort gab es dann Dinner und Party und richtige Betten. Allerdings nur 4. die Clancy-Geschwister mussten auf Matratzen schlafen.

3 sind dann am naechsten Tag mit dem Bus in Richtung Norden gefahren und wir anderen 3 sind nach Hobart getrampt. Die beiden waren dann noch 3 Tage meine Gaeste und wir haben die Wanderung fein ausklingen lassen. Ich hab jetzt sogar ein Kopfkissen. Die beiden wollten nie wieder auf solchen Luxus verzichten und haben jeder eins gekauft. Eins dann aber hier gelassen.

So, dass sind mal wieder 4,5 Seiten aus Down Under. Hoffe, es gibt nicht wieder Beschwerden uebers nicht lesen koennen!

Ich umarme euch alle (die die das gewohnt sind, alle anderen sind herzlich gegruesst) eure Antje.
23.3.06 04:02





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